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Pilgerweg Bielersee

Maria, die Mutter – was, wenn sie sich der Welt zuwendet?

2014 hat in der Kirche Ligerz ein siebenjähriger Karfreitagszyklus begonnen, der jedes Jahr eine Randfigur aus den biblischen Passionsgeschichten umkreist. Fred Bauer hat sieben Portraits geschaffen, die jedes Jahr als einzelnes Original und als jährlich wachsende Kreuzinstallation im Chorbogen der Kirche zu sehen sind. Die Berner Komponistin Gabrielle Brunner schreibt jedes Jahr ein Werk für ein Streichinstrument zur entsprechenden Gestalt. Im Rahmen der liturgischen Feier vom Karfreitag Nachmittag werden Kunst und Liturgie zur Feier gebündelt. In diesem Jahr taucht die einzige «prominente» Figur aus dem Passionsgeschehen auf – Maria, die Mutter.

Die reformatorischen und zumal die reformierten Kirchen tun sich schwer mit Maria. Seit der Frühzeit der dogmatischen Entwicklungen ist sie mehr und mehr zu einer Überfigur geworden, dem biblischen Text um Welten entwachsen, seit jeher auf Altäre erhoben und in der katholischen Tradition Mitte des 20. Jahrhunderts auch formell zur «Miterlöserin» am Erlösungswerke Christi erklärt.

Die reformierten Kirchen tun sich schwer damit. Dabei ist ihr Leben und Leiden Stoff für ganz bodennahes Nachdenken. Mit einigen Frauen – von Männern ist mit einer Ausnahme nicht die Rede – hält sie mit auf dem Leidensweg Jesu zur «Richtstätte», Euphemismus für politisch motivierte Folter und Mord. Und sie erlebt, was beileibe nicht einmalig, aber deswegen um kein Gran weniger schrecklich wäre: eine perverse Umdrehung der biologisch üblichen Sterbereihenfolge.

Im Bild, das Fred Bauer geschaffen hat, blickt Maria zur Seite. Was wäre, was ist, wenn sich die Mutter, wenn sich Mütter umdrehen und den Übeltätern direkt ins Gesicht sehen, auf Augenhöhe? Mit dieser Option wird sich der Liturg der Feier in der Kirche Ligerz auseinandersetzen. Von Altären wird nichts zu sehen und zu hören sein, wohl aber von der Kraft der Klage, die in Anklage mündet.

Die Komponistin Gabrielle Brunner ist jeweils frei in der Wahl ihres Instruments. Erstmals kommt 2018 ein Cello zum Zug, dessen Klang ihr für Maria angemessen scheint. Beauftragt mit der Uraufführung ist der Cellist Matthias Walpen, neben seiner Tätigkeit als Kammermusiker und Lehrer auch bekannt und vertraut als Solocellist des Bieler Sinfonieorchesters.

Die Karfreitagsfeier 2018 findet am 30. März um 15.15 Uhr, „um die neunte Stunde“, in der Kirche Ligerz statt. Die Kreuzinstallation, die Fred Bauer ersonnen hat und die Jahr um Jahr um das entsprechende Portrait wächst, ist jeweils von 9 bis 18 Uhr und noch bis Ostersamstag in der Kirche Ligerz zu besichtigen.


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